Seekrankheiten

29. Mai 2015 0 Von Tom
This entry is part 6 of 11 in the series Reise Balearen 2015

Wir waren 2 Wochen nicht online. Das ist richtig. Grund waren Seekrankheiten, die uns in dieser Zeit beschäftigt haben.

Nein, ich meine nicht Seekrankheit, also das Gefühl, das aufkommt, wenn man bei ordentlich Seegang und Schwell kopfüber in der Backskiste wühlt und nach 5 Minuten benebelt vom Dieselgestank und dem unnachahmlichen Duft des gleichzeitig abgepumptem Schmutzwassertanks wieder auftaucht. Diese Mischung aus Störung des Gleichgewichts nach Tagen unentwegter Schaukelei und Frühstück um 15.00h im Magen.

Nein, ich meine die typischen Marotten, die einen befallen können, wenn man auf einem Schiff unterwegs ist. Es sind dies: akute und chronische Putzitis, Gammelei, Reparaturitis und völlige Tiefenentspannung gepaart mit latenter Lethargie.

Diagnose Putzitis:

Sie existiert in männlicher und weiblicher Form. Während die Y-chromosomale Putzitis sich vornehmlich auf chromblitzende Teile des Schiffs bezieht, bedeutet die weibliche Form den innigen Wunsch das Ambiente auf den Landstandard zu bringen.

Erstere Form ist in seiner leichten Ausprägung durchaus noch mit leichteem Arbeitseinsatz zu theerapieren. Durch maßvolle Verwendung einiger Chemikalien, die teilweisse noch aus Kindertagen bekannt sind (ja, Sidol Messsingpflege gibt es noch).

Schwieriger wird die Therapie, wenn die maskuline Putzitis außer Kontrolle gerät und der Erkrankte versucht, die Türriegel mit dem Wattestäbchen zu polieren. Auf einem 15-Meterboot ein für den Beobachter offensichtlich aussichtsloses Unterfangen.

Die weibliche Form äußert sich im Anfangsstadium ebenfalls noch in einer moderaten Ausprägung. Scheuerlappen, Putzmittel und ein geordnetes Vorgehen sind zunächst noch tolerabel. Schwierige ist der im Verlauf der Erkrankung zunehmende Drang, das Innere wirklich sauber zu bekommen. Auch hier wird der Beobachter feststellen, dass der Kampf gegen Staub und Schmutz in unendlich vielen Ecken, Rillen und Fugen mit Hilfe eines 10 Watt-Akku-Staubsaugers auf einem vollgepackten Schiff, dass durch din immerwährende Zufuhr von rotem Wüstenstaub attackiert wird, nicht zu gewinnen ist.

Therapie: in wohldosierter Form Gammelei und Tiefenentspannung (siehe unten). Cave: auf angemessene Dosierung achten, die Therapie kann leicht zu Überdosierungen führen. Antidot bei Überdosierung: Putztitis.

Diagnose: Gammelei

Betätigung, die sich recht schnell einstellen kann, wenn die Tiefenentspannung überhand nimmt. Anzeichen sind Verschieben von minder wichtigen Tätigkeiten auf den folgenden oder darauffolgenden Tag. Führt zu eingeschränkter Berichterstattung im Internet, nimmt allen Druck von der Seele und führt zusammen mit völliger Tiefenentspannung zu dem Endbild der Lethargie. Letztere ist auch die negativste Form dieses Krankheitskreises.

Therapie: Schwierig, sofern Langeweile aufkommt ist die Heilung sehr schnell und immer vollständig. Cave: kann in Putzitis umschlagen (siehe dort).

Also, in Vorbereitung des Besuches, den wir erwarteten, haben wir das Boot auf Vordermann gebracht. In Anbetracht der Größe und unserer mangelnden Erfahrung mit der Bootsspflege sind wir im Gegensatz zu den Putz- und Pflegeprofis mit viel Aufwand an die Sache herangegangen.

Profis schaffen es, ein Boot in einem Tag mittels entsprechendem know-how auf Vordermann zu bringen. Wir haben aber gelernt. Sprühen, warten, abspülen hat genau den gleichen Effekt wie sprühen, wiehnern, wiehnern, wiehnern.

Live and learn.

Mittlerweile sind wir noch einen Schritt weiter auf unserer persönlichen Erfahrungsleiter geklettert, die Dinge fügen sich.

Allein, wo ist bloß unser Seesack verstaut?

Auswirkungen der Putzitis (männl. Form):

vorher

nachher

 

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